Veröffentlicht am März 15, 2024

Entgegen der landläufigen Meinung ist die 100’000-Franken-Einlagensicherung kein absoluter Schutzschild, sondern ein Sicherheitsnetz mit systemischen Grenzen und Risiken, die oft übersehen werden.

  • Die Staatsgarantie der Kantonalbanken ist nicht einheitlich; einige bieten unbeschränkten Schutz, andere gar keinen.
  • Die Gesamtsumme der Einlagensicherung ist auf rund 8 Milliarden Franken begrenzt, was bei einer grossen Systemkrise nicht ausreichen würde.
  • Versteckte Kosten wie Retrozessionen und ungünstige Wechselkurse können Ihre Rendite und Ihr Kapital stärker schmälern als ein hypothetischer Banken-Run.

Empfehlung: Verlassen Sie sich nicht blind auf allgemeine Sicherheitsversprechen. Analysieren Sie proaktiv die spezifische Garantie Ihrer Bank, diversifizieren Sie Ihr Vermögen ab einer gewissen Höhe und minimieren Sie aktiv versteckte Kosten, um Ihr Geld wirklich zu schützen.

Die turbulenten Ereignisse rund um die Credit Suisse haben selbst bei den konservativsten Schweizer Sparern eine grundlegende Frage aufgeworfen: Wie sicher ist mein Geld wirklich? Sofort kommen die vertrauten Antworten in den Sinn: Die Schweiz hat das stabilste Bankensystem der Welt, und im schlimmsten Fall schützt die Einlagensicherung jedes Guthaben bis 100’000 Franken. Viele verlassen sich zudem auf das unerschütterliche Vertrauen in ihre Kantonalbank mit ihrer vermeintlich felsenfesten Staatsgarantie. Als ehemaliger Banker, der unzählige Kundengespräche geführt hat, weiss ich, wie tief diese Überzeugungen sitzen.

Doch was, wenn diese beruhigenden Gewissheiten nur die halbe Wahrheit sind? Was, wenn die Einlagensicherung systemische Grenzen hat, von denen kaum jemand spricht? Was, wenn die „Staatsgarantie“ ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Schutzlevel ist und versteckte Kostenfaktoren eine viel realere Gefahr für Ihr Vermögen darstellen als der Konkurs Ihrer Hausbank? Die Realität hinter den Kulissen des Bankwesens ist komplexer als die Hochglanzbroschüren es vermuten lassen. Es geht nicht darum, Panik zu verbreiten, sondern darum, Ihnen die Werkzeuge an die Hand zu geben, die Sie benötigen, um die Risiken nicht nur zu verstehen, sondern sie gezielt zu managen.

Dieser Artikel bricht mit den gängigen Mythen. Statt die üblichen Platitüden zu wiederholen, werfen wir einen nüchternen Blick auf die tatsächlichen Mechanismen und Fallstricke. Wir analysieren, was wirklich mit Ihrem Geld passiert, wenn eine Bank ins Wanken gerät, decken versteckte Gebühren auf, die Ihre Rendite sabotieren, und zeigen, wann eine Aufteilung Ihres Vermögens von einer reinen Vorsichtsmassnahme zur strategischen Notwendigkeit wird. Ziel ist es, Sie von einem passiven Sparer zu einem informierten und souveränen Vermögensverwalter zu machen, der die Sicherheit seines Geldes selbst in die Hand nimmt.

Dieser Leitfaden führt Sie durch die entscheidenden Fragen, die Sie sich stellen sollten, um die wahre Stabilität Ihres Vermögens zu beurteilen. Er bietet Ihnen eine klare und realistische Perspektive, die auf jahrelanger Erfahrung im Inneren des Systems beruht.

Was passiert mit Ihren 100’000 CHF, wenn Ihre Kantonalbank in Schieflage gerät?

Die 100’000-Franken-Garantie der Einlagensicherung esisuisse ist das Fundament des Vertrauens in Schweizer Banken. Doch dieses Fundament ist kein unbegrenztes Versprechen. Es schützt Ihre Sparguthaben, Kassenobligationen und Kontoguthaben pro Kunde und Bank. Wichtig zu wissen: Wertschriften wie Aktien oder Fondsanteile gelten als Sondervermögen und fallen nicht in die Konkursmasse. Sie gehören Ihnen und werden lediglich von der Bank verwahrt. Die eigentliche Frage ist jedoch: Was passiert, wenn eine Kantonalbank betroffen ist, die doch als Inbegriff der Sicherheit gilt?

Hier zeigt sich die erste wichtige Nuance: Die Staatsgarantie ist nicht gleich Staatsgarantie. Sie variiert von Kanton zu Kanton erheblich. Während einige Kantone eine unbeschränkte Garantie für die Verbindlichkeiten ihrer Kantonalbank aussprechen, haben andere diese eingeschränkt oder sogar ganz abgeschafft. Das bedeutet, dass Ihre Guthaben über 100’000 Franken bei einer Bank mit unbeschränkter Garantie vollumfänglich vom jeweiligen Kanton gedeckt sind, bei einer Bank ohne diese Garantie jedoch dem vollen Risiko ausgesetzt sind. Es ist daher unerlässlich, nicht nur den Namen „Kantonalbank“ zu sehen, sondern deren spezifische Garantiesituation zu prüfen.

Das folgende Tableau zeigt die signifikanten Unterschiede zwischen den Kantonalbanken und verdeutlicht, warum eine pauschale Annahme der Sicherheit trügerisch sein kann.

Vergleich der Staatsgarantien bei Schweizer Kantonalbanken
Kantonalbank Art der Staatsgarantie Deckung über CHF 100’000
Zürcher Kantonalbank (ZKB) Unbeschränkte Garantie Vollständig
St. Galler Kantonalbank Unbeschränkte Garantie Vollständig
Basler Kantonalbank Unbeschränkte Garantie Vollständig
Genfer Kantonalbank (BCGE) Beschränkte Garantie Teilweise
Berner Kantonalbank (BEKB) Keine Staatsgarantie Nein

Diese „Garantie-Hierarchie“ ist ein entscheidender Faktor, der oft übersehen wird. Ein Sparer bei der ZKB hat eine fundamental andere Absicherung als ein Kunde der BEKB. Das Bewusstsein für diesen Unterschied ist der erste Schritt zu echter finanzieller Souveränität.

Kantonalbank oder Grossbank: Wo sind Gebühren und Service für Kleinanleger besser?

Die Wahl zwischen einer regional verankerten Kantonalbank und einer global agierenden Grossbank wie der UBS ist für viele Kleinanleger eine Grundsatzentscheidung. Traditionell punkten Kantonalbanken mit Nähe und persönlichem Service, während Grossbanken mit einem breiten Produktangebot und internationaler Präsenz werben. Doch in der Realität verschwimmen diese Grenzen zunehmend, und die entscheidenden Faktoren sind oft im Detail zu finden: bei den Gebühren und der Qualität des digitalen Angebots.

Zwei Bankgebäude nebeneinander symbolisieren Wahlmöglichkeiten für Kleinanleger

Grossbanken gelten nach der CS-Krise als systemrelevant und „too big to fail“, was eine implizite Staatsgarantie suggeriert. Ihre Kapitalisierung ist streng reguliert; die UBS wies beispielsweise zuletzt eine solide harte Kernkapitalquote (CET1) von 14.9% gemäss aktuellen Zahlen auf. Doch diese Grösse kann auch ein Nachteil sein: komplexe Strukturen und potenziell höhere Gebühren zur Finanzierung des globalen Apparats. Kantonalbanken hingegen haben oft schlankere Strukturen und eine transparentere Gebührenpolitik, insbesondere für Standarddienstleistungen.

Die eigentliche Revolution findet jedoch abseits dieser traditionellen Pole statt. Moderne digitale Bankdienstleistungen, oft als Neobanken bezeichnet, fordern beide Modelle heraus. Ein gutes Beispiel ist Yuh, eine Finanz-App, die von den etablierten Instituten Swissquote und PostFinance lanciert wurde. Mit einem Modell, das auf null Kontoführungsgebühren, kostenlose Bargeldbezüge in der Schweiz und transparente Wechselkurse setzt, zeigt Yuh, wohin die Reise für kostenbewusste Kleinanleger geht. Hier sind Service und Gebühren nicht mehr an eine physische Filiale gekoppelt, sondern an eine effiziente und benutzerfreundliche digitale Plattform. Für Kleinanleger bedeutet das: Die beste Bank ist nicht zwingend eine Kantonal- oder Grossbank, sondern diejenige, die das fairste und transparenteste digitale Paket für ihre individuellen Bedürfnisse anbietet.

Wie vermeiden Sie Wechselkursverluste bei Zahlungen in Euro?

Für viele Schweizerinnen und Schweizer sind Zahlungen und Einkäufe im benachbarten Euroraum Alltag. Doch diese Transaktionen bergen eine oft unterschätzte Kostenfalle: die Währungsumrechnung. Banken verdienen an der Differenz zwischen dem offiziellen Interbankenkurs und dem Kurs, den sie ihren Kunden anbieten – dem sogenannten Aufschlag. Hinzu kommt die Dynamische Währungsumrechnung (DCC), die Ihnen am Zahlterminal oder im Onlineshop angeboten wird. Dabei wird der Betrag sofort in Schweizer Franken angezeigt. Klingt praktisch, ist aber fast immer die teurere Option, da der zugrundeliegende Wechselkurs äusserst ungünstig ist. Die goldene Regel lautet daher: Immer in der lokalen Währung (Euro) bezahlen.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Einlagensicherung für Fremdwährungskonten. Besitzen Sie ein Euro-Konto bei einer Schweizer Bank, ist dieses ebenfalls bis zum Gegenwert von 100’000 Franken geschützt. Der Haken liegt im Detail: Im Konkursfall wird der Betrag zum Wechselkurs am Tag der Konkurseröffnung umgerechnet. Bei starken Währungsschwankungen kann Ihr Schutz in Franken also deutlich geringer ausfallen. Wie die BTV erklärt, ist der Stichtag des Konkurses entscheidend, was ein unkalkulierbares Risiko darstellt.

Um diese „Währungsfalle“ zu umgehen, gibt es konkrete Strategien:

  • Neobanken nutzen: Anbieter wie Neon oder Yuh bieten oft deutlich bessere Wechselkurse und geringere Gebühren für Auslandstransaktionen als traditionelle Banken.
  • Spezialisierte Anbieter prüfen: Für regelmässige oder grössere Überweisungen können Dienste wie Wise oder Revolut noch günstigere Konditionen bieten.
  • DCC konsequent ablehnen: Wählen Sie am Terminal oder online immer die Option „In lokaler Währung belasten“.
  • Fremdwährungsguthaben begrenzen: Halten Sie nur die für den kurzfristigen Bedarf notwendigen Euro-Beträge auf dem Konto, um das Umrechnungsrisiko im Konkursfall zu minimieren.

Indem Sie die Wechselkurse aktiv managen und die richtigen Werkzeuge nutzen, können Sie jährlich Hunderte von Franken sparen und ein oft übersehenes Risiko für Ihr Vermögen eliminieren.

Der versteckte Kostenfaktor in Fonds, der Ihre Rendite halbiert

Viele Schweizer Anleger wiegen sich in Sicherheit, wenn sie in Anlagefonds ihrer Hausbank investieren. Sie achten auf die jährliche Verwaltungsgebühr (TER), doch die grösste Renditebremse bleibt oft unsichtbar: die Retrozessionen. Dabei handelt es sich um versteckte Provisionen, die Fondsgesellschaften an die vertreibende Bank zahlen, damit diese deren Produkte empfiehlt. Diese „Kickbacks“ sind keine Kleinigkeit; sie können bis zur Hälfte der Verwaltungsgebühr ausmachen und werden direkt aus dem Fondsvermögen bezahlt. Das heisst: Sie als Anleger bezahlen für eine „Beratung“, die möglicherweise nicht in Ihrem besten Interesse ist, sondern im Interesse der Bank, die die höchsten Provisionen erhält.

Dieses „Rendite-Leck“ ist ein spezifisch schweizerisches Problem, das die Performance von Anlageportfolios seit Jahrzehnten schmälert. Obwohl viele Anleger Anspruch darauf hätten, wissen sie oft nichts von ihrem Glück oder scheuen den Aufwand, die Gelder zurückzufordern.

Fallbeispiel: Das Bundesgerichtsurteil zu Retrozessionen von 2012

Ein wegweisendes Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts im Jahr 2012 schuf Klarheit: Retrozessionen gehören grundsätzlich dem Kunden. Das Gericht entschied, dass Banken diese verdeckten Provisionen nur dann behalten dürfen, wenn der Kunde explizit und nach umfassender Aufklärung darauf verzichtet hat. Diese Entscheidung gab hunderttausenden von Anlegern das Recht, diese zu Unrecht einbehaltenen Gelder für die letzten zehn Jahre zurückzufordern. Viele Banken haben ihre Modelle seither angepasst, doch in älteren Portfolios schlummern oft noch erhebliche Rückforderungsansprüche. Dies zeigt, dass proaktives Handeln und das Wissen um die eigenen Rechte entscheidend sind, um die volle Rendite zu sichern.

Wie können Sie sich schützen? Die Lösung liegt in der Wahl der richtigen Produkte und Anbieter. Suchen Sie gezielt nach retro-freien Fondsklassen oder kostengünstigen ETFs (Exchange Traded Funds). Neobroker und unabhängige Vermögensverwalter bieten oft eine transparente Gebührenstruktur ohne versteckte Kickbacks. Fragen Sie Ihren Berater direkt und unmissverständlich: „Erhalten Sie für diesen Fonds Retrozessionen?“. Eine ehrliche Antwort ist ein Zeichen für eine vertrauenswürdige Partnerschaft. Das Schliessen dieses Rendite-Lecks ist einer der wirksamsten Hebel, um die langfristige Performance Ihres Vermögens signifikant zu steigern.

Wann sollten Sie Ihr Vermögen auf zwei Institute aufteilen?

Die Regel ist einfach und bekannt: Die Einlagensicherung schützt 100’000 Franken pro Kunde und Bank. Die logische Schlussfolgerung für jeden, dessen Barvermögen diesen Betrag übersteigt, scheint daher simpel: das Geld auf mehrere Banken aufteilen. Doch ab wann ist dieser Schritt wirklich notwendig, und was sind die tieferen Gründe dafür? Es geht um mehr als nur um das Überschreiten einer magischen Grenze; es geht um das Verständnis des „systemischen Limits“ des Schweizer Rettungsschirms.

Geteiltes Vermögen zwischen zwei Schweizer Bankinstituten visualisiert

Das System von esisuisse wird von allen Banken gemeinsam finanziert. Die maximale Summe, die es im Krisenfall auszahlen kann, ist gesetzlich auf 1.6% der gesamten gesicherten Einlagen in der Schweiz begrenzt, darf aber eine Obergrenze nicht überschreiten. Eine NZZ-Analyse des Einlagensicherungssystems beziffert diese faktische Obergrenze auf rund 8 Milliarden Franken. Diese Summe würde ausreichen, um den Konkurs einer kleineren oder mittleren Bank abzufedern. Im Falle einer systemischen Krise, die eine Grossbank oder mehrere Institute gleichzeitig betrifft, würde dieses System jedoch schnell an seine Grenzen stossen.

Die Aufteilung Ihres Vermögens ist also nicht nur eine Arithmetik, um unter der 100’000-Franken-Grenze zu bleiben. Es ist eine strategische Diversifikation gegen das Klumpenrisiko. Die Faustregel ist klar: Sobald Ihr liquides Vermögen (Bargeld, Sparkonten) den Betrag von 100’000 Franken übersteigt, ist eine Aufteilung auf ein zweites Institut dringend ratsam. Idealerweise wählen Sie für das zweite Institut eine Bank aus einer anderen Kategorie (z.B. eine Kantonalbank mit Staatsgarantie, wenn Sie bereits bei einer Grossbank sind) oder einer anderen Region, um das Risiko weiter zu streuen. Dies reduziert nicht nur Ihre Abhängigkeit von einer einzigen Institution, sondern auch Ihre Exposition gegenüber dem systemischen Limit des gesamten Rettungsschirms.

Wie sparen Sie 3 Monatslöhne an, wenn das Budget bereits eng ist?

Der Aufbau eines Notgroschens in der Höhe von drei Monatslöhnen ist eine der wichtigsten Finanzregeln. Er dient als Puffer für unvorhergesehene Ereignisse wie eine grössere Reparatur oder einen kurzfristigen Jobverlust und verhindert, dass Sie in solchen Situationen teure Konsumkredite aufnehmen oder langfristige Anlagen auflösen müssen. Doch was tun, wenn am Ende des Monats kaum etwas übrig bleibt? Der Schlüssel liegt nicht im radikalen Verzicht, sondern in der systematischen Nutzung von spezifisch schweizerischen Sparhebeln und der Automatisierung des Sparprozesses.

Anstatt grosse, demotivierende Sparziele zu setzen, konzentrieren Sie sich auf kleine, aber regelmässige Beträge. Selbst 50 oder 100 Franken pro Monat, die konsequent per Dauerauftrag auf ein separates Konto fliessen, summieren sich über die Zeit. Viele moderne Neobanken wie Neon (mit „Spaces“) oder Zak (mit „Töpfen“) bieten die Möglichkeit, virtuelle Unterkonten zu erstellen. Nutzen Sie diese, um für spezifische Ziele zu sparen („Notgroschen“, „Ferien“, „Steuern“). Diese Visualisierung macht das Sparen greifbarer und motivierender. Der wichtigste Schritt ist, den Dauerauftrag direkt nach dem Lohneingang ausführen zu lassen – nach dem Prinzip „zuerst sich selbst bezahlen“.

Der zweite Hebel ist die aktive Reduzierung der fixen Kosten. Gerade in der Schweiz gibt es hier oft ein erhebliches, ungenutztes Potenzial. Ein jährlicher Check der Krankenkassenprämien, Autoversicherungen und Handy-Abos kann schnell Einsparungen von über tausend Franken pro Jahr bringen. Diese freigewordenen Beträge können Sie dann direkt in Ihren Notgroschen umleiten. Der folgende Plan zeigt konkrete Schritte, die Sie sofort umsetzen können.

Ihr Aktionsplan: Schweizer Sparhebel für den Notgroschen

  1. Fixkosten auditieren: Nutzen Sie systematisch Vergleichsportale wie Comparis und Moneyland für alle Versicherungen, Handy-Abos und Internetverträge. Setzen Sie sich ein Ziel, mindestens 1’000 CHF pro Jahr zu finden.
  2. Loyalitätsprogramme optimieren: Sammeln Sie aktiv Cumulus- und Superpunkte. Wandeln Sie diese direkt in Gutscheine für den Einkauf oder in Rechnungszahlungen um, anstatt sie für Prämien auszugeben.
  3. Sparen automatisieren: Richten Sie bei Ihrer Neobank (z.B. Neon, Zak) einen separaten „Topf“ für den Notgroschen ein und überweisen Sie per Dauerauftrag direkt nach Lohneingang einen festen Betrag.
  4. Steuern als Sparmotor nutzen: Tätigen Sie freiwillige Einkäufe in die Säule 3a. Legen Sie die resultierende Steuerersparnis des Folgejahres nicht für Konsum, sondern direkt und vollständig in Ihren Notgroschen an.
  5. Wohnort als Kostenfaktor prüfen: Prüfen Sie, ob ein Gemeindewechsel innerhalb Ihres Kantons eine signifikante Steuerersparnis bringen könnte. Dies ist ein grosser Hebel, der oft übersehen wird.

Indem Sie diese spezifisch schweizerischen Möglichkeiten konsequent nutzen und das Sparen automatisieren, wird der Aufbau eines Notgroschens auch bei einem engen Budget von einer unüberwindbaren Hürde zu einem machbaren und motivierenden Projekt.

Wann können Sie mit der E-ID endlich ein Bankkonto in 5 Minuten eröffnen?

Die Vision ist verlockend: Mit einer staatlich anerkannten elektronischen Identität (E-ID) ein Bankkonto in wenigen Minuten eröffnen, ohne Video-Identifikation oder den Gang zur Post. Doch in der Schweiz ist dieser Prozess ins Stocken geraten. Nach der Ablehnung einer ersten Vorlage durch das Stimmvolk, bei der private Unternehmen eine zentrale Rolle spielen sollten, ist das Projekt in der Neukonzeption. Das bedeutet, auf eine flächendeckende, einfache Lösung für die digitale Kontoeröffnung müssen wir noch warten.

In einer offiziellen Mitteilung wurde dieser Stillstand bestätigt, was die Erwartungen an eine schnelle Einführung dämpft. Wie der Bundesrat verlauten liess:

Die staatliche E-ID mit privater Technologie befindet sich nach der Ablehnung der ersten Vorlage in Neukonzeption.

– Bundesrat, Medienmitteilung zur Bankenstabilität 2025

Dieser politische Prozess braucht Zeit. Doch die Finanzwelt wartet nicht. Während etablierte Banken auf die E-ID als Hebel zur Digitalisierung hoffen, haben innovative Fintech-Anbieter längst eigene, funktionierende Lösungen entwickelt. Anbieter wie Yuh zeigen bereits heute, dass eine vollständig digitale Kontoeröffnung in wenigen Minuten möglich ist. Kunden identifizieren sich einfach via Smartphone, indem sie ihren Ausweis fotografieren und ein kurzes Video von sich aufnehmen. Diese Prozesse sind von der FINMA anerkannt und erfüllen alle regulatorischen Anforderungen.

Die Ironie dabei ist: Die E-ID ist keine Revolution mehr, sondern primär ein Mittel für die traditionellen Banken, um technologisch mit den agileren Neobanken gleichzuziehen. Für den Kunden ist die schnelle und unkomplizierte Kontoeröffnung bereits Realität – man muss nur wissen, wo man sie findet. Die Einführung der staatlichen E-ID wird diesen Prozess in Zukunft vielleicht standardisieren, aber nicht grundlegend neu erfinden. Wer heute ein Konto in fünf Minuten eröffnen will, kann das bereits tun, indem er sich den innovativen Anbietern zuwendet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die 100’000-Franken-Einlagensicherung ist durch ein Systemlimit von ca. 8 Mrd. CHF begrenzt und schützt nicht bei einer grossen Systemkrise.
  • Die Staatsgarantie der Kantonalbanken ist uneinheitlich; prüfen Sie den spezifischen Schutz Ihrer Bank, anstatt sich auf den Namen zu verlassen.
  • Proaktives Handeln ist entscheidend: Diversifizieren Sie Vermögen über 100’000 CHF, meiden Sie versteckte Kosten (Retrozessionen) und managen Sie Wechselkursrisiken aktiv.

Sind Ihre „grünen“ Schweizer Fonds wirklich frei von Rüstungsindustrie?

Nachdem die Sicherheit des Kapitals gewährleistet ist, rückt für viele Anleger eine weitere Frage in den Vordergrund: Entsprechen meine Investitionen auch meinen persönlichen Werten? Insbesondere „grüne“ oder nachhaltige Fonds erfreuen sich grosser Beliebtheit. Doch der Begriff „nachhaltig“ ist dehnbar und oft Gegenstand von Greenwashing. Viele Anleger gehen davon aus, dass ein als ESG (Environment, Social, Governance) oder SRI (Socially Responsible Investment) deklarierter Fonds automatisch kontroverse Sektoren wie die Rüstungsindustrie ausschliesst. Dies ist ein gefährlicher Trugschluss.

Grüne Blätter mit versteckten industriellen Elementen symbolisieren Greenwashing

In der Schweiz verbietet zwar eine Verordnung die Finanzierung von verbotenem Kriegsmaterial, doch diese Regelung gilt in erster Linie für Pensionskassen und Stiftungen, nicht aber zwingend für alle Publikumsfonds, die Privatanlegern angeboten werden. Viele ESG-Ansätze arbeiten mit einem „Best-in-Class“-Prinzip. Das bedeutet, sie schliessen nicht ganze Branchen aus, sondern investieren in die „nachhaltigsten“ Unternehmen innerhalb einer Branche. So kann es vorkommen, dass ein Rüstungskonzern mit einer guten Governance-Struktur in einem ESG-Fonds landet.

Für Anleger, die eine Beteiligung an der Rüstungsindustrie kategorisch ausschliessen möchten, ist daher eine tiefere Prüfung unerlässlich. Es reicht nicht, sich auf das grüne Label des Fonds zu verlassen. Sie müssen die Anlagestrategie und die detaillierte Zusammensetzung des Fonds genau analysieren. Suchen Sie nach Fonds mit klaren Ausschlusskriterien oder nach sogenannten Impact-Fonds, die eine nachweislich positive Wirkung anstreben, anstatt nur negative Aspekte zu vermeiden. Transparenz ist hier der Schlüssel. Nutzen Sie unabhängige Quellen und die Berichte der Fondsanbieter, um sicherzustellen, dass Ihr Geld nicht nur sicher, sondern auch im Einklang mit Ihren Überzeugungen arbeitet.

Die kritische Auseinandersetzung mit der tatsächlichen Nachhaltigkeit Ihrer Anlagen ist der letzte, aber entscheidende Schritt zu einem rundum souveränen Vermögensmanagement.

Die wahre Sicherheit Ihres Vermögens liegt nicht im blinden Vertrauen, sondern in der informierten Wachsamkeit. Um Ihr Portfolio umfassend zu schützen, ist der nächste logische Schritt eine proaktive Analyse Ihrer aktuellen Bankbeziehungen und Anlagen auf Basis der hier aufgezeigten Risiken.

Häufige Fragen zu Warum ist Ihr Geld auf der Bank trotz Einlagensicherung nicht zu 100% risikofrei?

Was ist der Unterschied zwischen ESG, SRI und Impact Investing?

ESG-Ansätze schliessen nur die schlimmsten Sünder aus und bewerten Unternehmen anhand von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien. SRI (Socially Responsible Investment) ist oft strenger und verwendet Best-in-Class-Methoden oder spezifische Ausschlusskriterien. Impact Investing geht noch einen Schritt weiter und zielt darauf ab, neben einer finanziellen Rendite eine direkte, messbare positive soziale oder ökologische Wirkung zu erzielen.

Gilt das Kriegsmaterialverbot für alle Schweizer Fonds?

Nein. Die Verordnung über die Finanzierung von produziertem Kriegsmaterial gilt primär für Schweizer Pensionskassen und Stiftungen sowie für Vorsorgeeinrichtungen. Sie gilt nicht automatisch für alle Publikumsfonds, die an Privatanleger verkauft werden. Hier sind die individuellen Richtlinien des jeweiligen Fonds entscheidend.

Wie kann ich die Rüstungsbeteiligungen in meinem Fonds prüfen?

Der effektivste Weg ist, die offiziellen Dokumente des Fonds wie den Jahres- oder Halbjahresbericht zu prüfen, in dem die grössten Positionen aufgelistet sind. Zusätzlich können Sie die Index-Zusammensetzung Ihres Fonds (falls es ein Indexfonds ist) direkt beim Indexanbieter (z.B. MSCI, FTSE) einsehen. Unabhängige Organisationen wie der Kriegsmaterial-Report der GSoA (Gruppe für eine Schweiz ohne Armee) bieten ebenfalls Analysen und Einblicke.

Geschrieben von Beatrice Beatrice Keller, Unabhängige Vermögensverwalterin und Finanzplanerin mit Spezialisierung auf Hypothekarstrategien und Vorsorgeanalysen. Sie verfügt über 12 Jahre Erfahrung im Private Banking bei Schweizer Grossbanken.