Einen ESG-Fonds in der Schweiz zu kaufen, garantiert keine saubere Weste und schliesst Investitionen in Rüstungs- oder Ölfirmen oft nicht aus.
- Viele als „nachhaltig“ deklarierte Fonds nutzen den „Best-in-Class“-Ansatz, der es erlaubt, in die „saubersten“ Unternehmen kontroverser Branchen zu investieren.
- Wahre Wirkung entsteht weniger durch passive Labels als durch aktives Handeln, wie direkte Beteiligungen an lokalen Projekten oder die konsequente Ausübung von Aktionärsrechten.
Empfehlung: Analysieren Sie die System-Lücken in ESG-Ratings und nutzen Sie gezielt Ihre Anlegerrechte, um finanziellen Erfolg mit echtem ethischem Impact zu verbinden.
Als bewusster Anleger in der Schweiz stehen Sie vor einem Dilemma. Sie möchten Ihr Geld für sich arbeiten lassen, aber nicht um jeden Preis. Sie wählen einen „nachhaltigen“ oder „grünen“ Fonds, in der Hoffnung auf eine saubere Weste – und entdecken dann doch Namen wie Nestlé, Ölkonzerne oder gar Zulieferer der Rüstungsindustrie im Portfolio. Diese Frustration ist weit verbreitet und das Gefühl, trotz bester Absichten getäuscht zu werden, ist real.
Die üblichen Ratschläge sind schnell gegeben: Man solle das Kleingedruckte im Fondsprospekt lesen oder auf anerkannte Labels achten. Doch diese Ratschläge greifen oft zu kurz. Sie erklären nicht, *warum* diese problematischen Unternehmen überhaupt in einem als „nachhaltig“ vermarkteten Fonds landen dürfen und was Sie als Anleger konkret dagegen tun können. Das Problem liegt tiefer, in der Struktur der Finanzprodukte selbst.
Doch was, wenn die Lösung nicht in der endlosen, oft frustrierenden Suche nach dem einen, perfekten und zu 100 % reinen Fonds liegt? Was, wenn der wahre Schlüssel darin besteht, die systemischen Lücken im ESG-Universum zu verstehen und die Ihnen zur Verfügung stehenden Hebel als Anleger aktiv zu nutzen? Es geht darum, vom passiven Konsumenten eines Finanzprodukts zum aktiven Gestalter zu werden. Dieser Perspektivwechsel ist der Kern echten ethischen Investierens.
Dieser Artikel deckt genau diese Mechanismen auf. Wir werden analysieren, warum Ihr ESG-Fonds weniger grün ist, als Sie denken, welche konkreten und wirkungsvollen Alternativen es in der Schweiz gibt und wie Sie Ihr Stimmrecht als machtvolles Werkzeug einsetzen, um von innen heraus für Veränderung zu sorgen, ohne dabei auf eine attraktive Rendite verzichten zu müssen.
Der folgende Leitfaden bietet Ihnen eine detaillierte Übersicht über die kritischen Aspekte des nachhaltigen Investierens in der Schweiz. Er liefert Ihnen das nötige Wissen, um Greenwashing zu durchschauen und fundierte Entscheidungen für Ihr Portfolio zu treffen.
Inhaltsverzeichnis: Wie Sie die Greenwashing-Fallen in der Schweiz umgehen
- Warum trägt Ihr ESG-Fonds das Label „nachhaltig“, obwohl er in Öl investiert?
- Wie beteiligen Sie sich an lokalen Solargenossenschaften ab 1000 CHF?
- Nachhaltigkeit oder Rendite: Müssen Sie für ein gutes Gewissen auf 2% Gewinn verzichten?
- Der Irrtum über „Tabak-frei“, der viele Depots unbemerkt belastet
- Wann werden nicht-ESG-konforme Firmen für Ihr Depot zum Risiko?
- Einspeisen oder verbrauchen: Wie optimieren Sie Ihre Solaranlage ohne teuren Speicher?
- Welche Labels produzieren wirklich in der Schweiz und nicht nur „Design in Switzerland“?
- Wie holen Sie 2000 CHF Steuern pro Jahr zurück, ohne das Geld zu sperren?
Warum trägt Ihr ESG-Fonds das Label „nachhaltig“, obwohl er in Öl investiert?
Die ernüchternde Antwort liegt in den methodischen Lücken der meisten ESG-Ratings. Viele Fonds folgen dem „Best-in-Class“-Ansatz. Das bedeutet, sie investieren nicht nur in per se „gute“ Unternehmen, sondern in die relativ besten Unternehmen jeder Branche – auch in kontroversen Sektoren. So kann der „nachhaltigste“ Ölkonzern, der im Vergleich zu seinen Konkurrenten etwas bessere Umweltstandards hat, problemlos in einem ESG-Fonds landen. Diese Vorgehensweise führt zu einer massiven Verwässerung des Nachhaltigkeitsgedankens.
Fallbeispiel: Der Schweizer SPI ESG-Index
Ein prägnantes Beispiel aus der Schweiz ist der SPI ESG-Index. Obwohl dieser Index Unternehmen ausschliesst, die mehr als 5 % ihres Umsatzes in Sektoren wie Kohle oder Ölsand erzielen, bleiben 139 der ursprünglich 218 Aktien des breiten SPI-Index enthalten. Das zeigt, wie der Best-in-Class-Ansatz auch Unternehmen mit potenziell negativen Auswirkungen einschliesst, solange deren ESG-Rating vergleichsweise gut ist. Für Anleger bedeutet dies eine versteckte Exposition gegenüber Risiken, die sie eigentlich vermeiden wollten.
Eine weitere System-Lücke sind die Umsatzschwellen. Viele Fonds definieren Ausschlusskriterien nicht absolut, sondern relativ. Wie die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) in ihrer Anlagestrategie erläutert, sind oft gewisse Toleranzen erlaubt. So heisst es beispielsweise:
Die Anlagelösungen schliessen Investitionen in Unternehmen aus, die beispielsweise in Kohleverstromung oder Glücksspiel involviert sind, wobei Umsatzanteils-Schwellen von bis zu 5% erlaubt sind.
Ein Umsatz von 5 % in einem tabuisierten Sektor mag gering klingen, kann bei einem globalen Grosskonzern aber absolute Milliardenbeträge bedeuten. Recherchen von NGOs bestätigen dieses Problem regelmässig. So zeigt eine Finanzrecherche, dass über 35% der als nachhaltig verkauften ESG-Fonds in Unternehmen investieren, die ihre fossilen Geschäftsfelder sogar noch ausbauen. Für Anleger ist es daher entscheidend, nicht blind dem Label zu vertrauen, sondern die Anlagestrategie kritisch zu hinterfragen.
Wie beteiligen Sie sich an lokalen Solargenossenschaften ab 1000 CHF?
Eine der wirkungsvollsten Alternativen zum oft undurchsichtigen Universum der ESG-Fonds ist die direkte Investition in greifbare, lokale Projekte. Anstatt Ihr Geld in einen globalen Fonds zu stecken, der möglicherweise in Konzerne mit zweifelhafter Bilanz investiert, können Sie es gezielt für den Ausbau erneuerbarer Energien in Ihrer eigenen Region einsetzen. Solargenossenschaften bieten hierfür in der Schweiz eine etablierte und zugängliche Möglichkeit.
Das Prinzip ist einfach: Bürger schliessen sich zusammen, um gemeinsam Solar-Anlagen auf geeigneten Dächern – wie von Schulen, Fabrikhallen oder landwirtschaftlichen Betrieben – zu finanzieren und zu betreiben. Als Mitglied erwerben Sie einen oder mehrere Anteilscheine und partizipieren direkt am Ertrag aus dem Stromverkauf. Dies ist kein abstraktes Finanzprodukt, sondern eine direkte Beteiligung an der Energiewende vor Ihrer Haustür. Der Impact ist messbar und sofort sichtbar. Laut der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie existieren über 150 solcher Solargenossenschaften in der ganzen Schweiz, was die breite Akzeptanz dieses Modells unterstreicht.

Der Einstieg ist oft schon mit kleinen Beträgen möglich. Während einige Genossenschaften eine Mindestbeteiligung von einigen tausend Franken fordern, können Sie bei vielen bereits mit einem Anteilschein im Wert von rund 1000 CHF oder sogar weniger einsteigen. Die finanzielle Rendite ergibt sich aus dem jährlichen Zins auf Ihre Anteile, der durch den Verkauf des produzierten Solarstroms erwirtschaftet wird. Sie ist meist moderat, aber stabil. Die eigentliche „Wirkungs-Rendite“ ist jedoch ungleich höher: Sie stärken die lokale Wertschöpfung, fördern die dezentrale Energieproduktion und leisten einen konkreten Beitrag zum Klimaschutz.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über einige Beispiele von Solargenossenschaften in der Schweiz, um die unterschiedlichen Modelle zu illustrieren:
| Genossenschaft | Mindestbeteiligung | Erwartete Rendite | Region |
|---|---|---|---|
| SolarGenossenschaft Fehraltorf | Ab 1 Anteilschein | Jährlicher Zins aus Stromverkauf | Zürich |
| OptimaSolar Schweiz | Variable Anteile | Abhängig vom Stromverkauf | Mehrere Kantone |
| Energie Genossenschaft Schweiz | Genossenschaftsanteile flexibel | Projektabhängig | Bern & Winterthur |
Nachhaltigkeit oder Rendite: Müssen Sie für ein gutes Gewissen auf 2% Gewinn verzichten?
Das hartnäckigste Vorurteil gegenüber ethischen Anlagen ist die Annahme, man müsse für ein reines Gewissen unweigerlich auf Rendite verzichten. Diese Vorstellung stammt aus einer Zeit, in der Nachhaltigkeit primär durch simple Ausschlüsse (z.B. von Alkohol und Tabak) umgesetzt wurde, was die Diversifikation tatsächlich einschränken konnte. Heute ist die Realität jedoch eine andere. Moderne Nachhaltigkeitsstrategien sind weitaus differenzierter und können sogar zu einer besseren Performance führen.
Der Grund dafür ist, dass die systematische Analyse von ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Governance) hilft, versteckte Risiken aufzudecken. Ein Unternehmen mit schlechter Mitarbeiterführung (Soziales), hohen Umweltrisiken oder einer korrupten Unternehmensführung (Governance) ist langfristig anfälliger für Skandale, Klagen und Reputationsverlust. Solche Risiken schlagen sich früher oder später im Aktienkurs nieder. Umgekehrt sind Unternehmen, die vorausschauend wirtschaften, innovativ sind und ihre Ressourcen schonen, oft besser für die Zukunft aufgestellt. Nachhaltigkeit wird so zu einem Indikator für Managementqualität und Zukunftsfähigkeit.
Empirische Daten stützen diese These. Während einzelne Jahre je nach Marktlage variieren können, zeigen langfristige Studien oft eine neutrale oder sogar positive Korrelation zwischen Nachhaltigkeit und finanzieller Performance. So zeigt eine aktuelle Analyse der Handelszeitung einen 1,4% Renditevorteil für ESG-ETFs gegenüber Standard-Indizes über einen bestimmten Zeitraum. Es ist jedoch wichtig, realistisch zu bleiben. Wie UBS Asset Management festhält, gibt es keine Garantie: „Die Renditen eines Fonds, der sich in erster Linie aus nachhaltigen Anlagen zusammensetzt, können niedriger oder höher sein als bei Fonds, bei denen keine ESG-Faktoren berücksichtigt werden.“
Es geht also nicht um einen pauschalen Verzicht, sondern um eine bewusste Abwägung von finanzieller Rendite und „Wirkungs-Rendite“. Anstatt zu fragen „Muss ich auf Gewinn verzichten?“, lautet die strategische Frage: „Welchen Kompromiss zwischen maximalem Impact und maximaler Rendite bin ich bereit einzugehen und wie bewerte ich langfristige Klimarisiken als potenziellen Renditetreiber?“ Die Antwort darauf ist individuell und bildet die Grundlage für eine authentische, persönliche Anlagestrategie.
Der Irrtum über „Tabak-frei“, der viele Depots unbemerkt belastet
Selbst wenn ein Fonds explizit Investitionen in kontroverse Branchen wie Tabak, Alkohol oder Rüstung ausschliesst, bedeutet das nicht, dass Ihr Portfolio frei von deren Einfluss ist. Die grösste Greenwashing-Falle liegt oft in der indirekten Belastung durch die Lieferketten und Geschäftsbeziehungen der gehaltenen Unternehmen. Dieses Konzept, oft unter dem Begriff „Scope 3-Emissionen“ im Klimakontext diskutiert, gilt genauso für andere ethische Kriterien.
Ein Fonds mag keine Tabakhersteller halten. Aber was ist mit den Einzelhandelsketten, die einen erheblichen Teil ihres Umsatzes mit Zigaretten machen? Was ist mit den Banken, die Kredite an Tabakkonzerne vergeben? Oder den Logistikunternehmen, die deren Produkte transportieren? Diese indirekten Verflechtungen werden von den meisten Standard-ESG-Filtern nicht erfasst. Sie als Anleger sind somit unwissentlich trotzdem am Erfolg dieser Branchen beteiligt und tragen deren Reputationsrisiken mit.

Diese Problematik wird durch die Klassifizierung nach der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) noch verschärft. Fonds werden oft als „Artikel 8“ (Produkte, die ökologische oder soziale Merkmale bewerben) oder „Artikel 9“ (Produkte mit einem klaren Nachhaltigkeitsziel) eingestuft. Dies ist jedoch kein offizielles Gütesiegel, sondern eine reine Selbstdeklaration der Anbieter. Eine Studie von PwC Schweiz hat gezeigt, dass zwar ein grosser Teil des europäischen Fondsvermögens als nachhaltig eingestuft ist, viele dieser Fonds aber die indirekten Beteiligungen über Zulieferer eben nicht transparent machen. Die Klassifizierung allein bietet also keine Garantie gegen versteckte ethische Konflikte.
Für Sie als Anleger bedeutet das: Der Vermerk „Tabak-frei“ oder „Waffen-frei“ auf einem Factsheet ist nur die halbe Wahrheit. Um die wahre ethische Belastung Ihres Portfolios zu verstehen, müssen Sie tiefer blicken. Fragen Sie den Fondsanbieter gezielt, wie er mit den Risiken aus den Lieferketten (Scope 3) umgeht und ob seine Analyse über die direkten Geschäftsaktivitäten hinausgeht. Nur so können Sie den subtilen, aber wirkungsvollen Formen des Greenwashings entgehen und sicherstellen, dass Ihr Investment wirklich Ihren Werten entspricht.
Wann werden nicht-ESG-konforme Firmen für Ihr Depot zum Risiko?
Lange Zeit galt mangelnde Nachhaltigkeit primär als ethisches Problem. Zunehmend wird es jedoch zu einem handfesten finanziellen Risiko für Anleger. Unternehmen, die ESG-Kriterien ignorieren, sehen sich mit einer wachsenden Zahl an Bedrohungen konfrontiert, die sich direkt auf ihren Unternehmenswert und damit auf Ihr Depot auswirken können. Dieses Risiko manifestiert sich auf drei Ebenen: regulatorisch, reputationell und physisch.
Erstens, das regulatorische Risiko: Aufsichtsbehörden und Gesetzgeber verschärfen die Regeln rund um Nachhaltigkeit und Greenwashing. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA hat dieses Thema zu einer ihrer Prioritäten erklärt. Sie hat klargestellt, dass sie irreführende Angaben zu Nachhaltigkeit als unlauteren Wettbewerb betrachtet und konsequent dagegen vorgehen wird. Die Ankündigung, dass sich ein Drittel der FINMA-Vor-Ort-Inspektionen bei Banken und Vermögensverwaltern auf die Prävention von Greenwashing konzentriert, ist ein klares Warnsignal. Unternehmen und Fonds, die ihre Nachhaltigkeitsversprechen nicht einhalten können, riskieren Bussen, Sanktionen und den Entzug von Lizenzen.
Zweitens, das Reputationsrisiko: In einer digital vernetzten Welt können Skandale rund um Umweltverschmutzung, schlechte Arbeitsbedingungen oder Korruption viral gehen und den Ruf eines Unternehmens über Nacht zerstören. Dies führt nicht nur zu Kundenboykotten, sondern macht das Unternehmen auch für qualifizierte Arbeitskräfte unattraktiv. Eine beschädigte Marke verliert an Wert, was sich direkt im Aktienkurs niederschlägt. Anleger, die in solche Firmen investiert sind, erleiden somit einen direkten finanziellen Verlust.
Drittens, das physische Risiko des Klimawandels: Für viele Branchen sind die Folgen der Erderwärmung bereits heute spürbar. Landwirtschaftsbetriebe leiden unter Dürren, Versicherungen unter der Zunahme von extremen Wetterereignissen und Immobilien an Küsten unter dem steigenden Meeresspiegel. Unternehmen, die keine Strategie zur Anpassung an diese neuen Realitäten haben, sehen ihr Geschäftsmodell existenziell bedroht. Ein Portfolio, das diese Klimarisiken ignoriert, ist langfristig nicht robust aufgestellt. Nachhaltigkeitsanalyse ist somit keine ethische Kür mehr, sondern ein integraler Bestandteil einer vorausschauenden Risikomanagement-Strategie.
Einspeisen oder verbrauchen: Wie optimieren Sie Ihre Solaranlage ohne teuren Speicher?
Für Besitzer einer Solaranlage – sei es auf dem eigenen Dach oder als Teil einer Genossenschaft – stellt sich eine zentrale Frage: Was tun mit dem Strom, der um die Mittagszeit im Überfluss produziert, aber nicht direkt verbraucht wird? Die einfache Antwort ist die Einspeisung ins öffentliche Netz. Doch die Rückliefertarife der Energieversorger sind oft bescheiden und decken kaum die Gestehungskosten. Ein teurer Batteriespeicher ist eine Option, aber es gibt eine intelligentere, gemeinschaftliche Lösung, die in der Schweiz gesetzlich verankert ist: der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV).
Fallbeispiel: Das ZEV-Modell in der Praxis
Das ZEV-Modell ermöglicht es mehreren Parteien (z.B. die Bewohner eines Mehrfamilienhauses oder benachbarte Grundstücke), sich zu einer Verbrauchergemeinschaft zusammenzuschliessen. Der auf dem Dach produzierte Solarstrom wird zuerst innerhalb dieser Gemeinschaft verbraucht. Erst der verbleibende Überschuss wird ins Netz eingespeist. Dies hat einen enormen Vorteil: Der Strom kann innerhalb der Gemeinschaft zu einem Preis verkauft werden, der über dem Einspeisetarif des Energieversorgers, aber unter dessen Bezugstarif liegt. Eine Win-Win-Situation für Produzenten und Verbraucher. Über 120 Solargenossenschaften in der Schweiz nutzen dieses Modell bereits erfolgreich, um bessere Renditen zu erzielen und lokale Energiegemeinschaften zu stärken.
Die Optimierung liegt also darin, den Eigenverbrauch zu maximieren. Anstatt den Solarstrom für wenige Rappen pro Kilowattstunde (kWh) zu „verschenken“ und später für ein Vielfaches wieder einzukaufen, wird er direkt vor Ort genutzt. Dies lässt sich durch intelligentes Verbrauchsmanagement weiter steigern: Betreiben Sie grosse Verbraucher wie Waschmaschine, Geschirrspüler oder das Laden des Elektroautos gezielt dann, wenn die Sonne scheint. Moderne Smart-Home-Systeme können diesen Prozess sogar automatisieren.
Die Einspeisetarife variieren stark je nach Energieversorger und Region, was die Attraktivität eines ZEV zusätzlich erhöht. Ein Blick auf die Tarife grosser Schweizer Anbieter verdeutlicht die Unterschiede:
| Energieversorger | Region | Einspeisetarif | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| EKZ | Zürich | Variabel nach Tageszeit | ZEV-Modell möglich |
| BKW | Bern | Marktbasiert | Direktvermarktung Option |
| SIG | Genf | Fixe Vergütung | Langfristige Verträge |
Ein ZEV ist somit mehr als nur eine technische Lösung; es ist ein wirtschaftlicher und gemeinschaftlicher Anleger-Hebel. Er macht Sie unabhängiger von schwankenden Strompreisen und maximiert die Rendite Ihrer Solaranlage, ganz ohne die Investition in einen kostspieligen Speicher.
Das Wichtigste in Kürze
- ESG-Labels sind oft unzureichend; der „Best-in-Class“-Ansatz und Umsatzschwellen erlauben Investitionen in kontroverse Firmen.
- Wahre Wirkung erzielen Sie durch direkte Anlagen (z.B. Solargenossenschaften) oder die aktive Ausübung Ihrer Aktionärsrechte („Aktives Eigentum“).
- Nachhaltigkeit und Rendite schliessen sich nicht aus. Eine bewusste Analyse der „Wirkungs-Rendite“ und versteckter Risiken ist entscheidend.
Welche Labels produzieren wirklich in der Schweiz und nicht nur „Design in Switzerland“?
Im Dschungel der Finanzprodukte suchen Anleger oft nach Orientierung durch Labels und Siegel. Die Frage nach echter lokaler Wertschöpfung („produziert in der Schweiz“) lässt sich auf die Finanzwelt übertragen: Welches Label steht für einen echten, tiefgreifenden Nachhaltigkeitsprozess und ist nicht nur ein oberflächliches Marketing-Instrument („Design in Switzerland“)? Während kein Label perfekt ist, gibt es doch erhebliche Qualitätsunterschiede. Ein Beispiel für einen anspruchsvollen Standard im deutschsprachigen Raum ist das FNG-Siegel.
Fallbeispiel: Das FNG-Siegel und die Ethos Stiftung
Das FNG-Siegel, zertifiziert von der Gesellschaft für Qualitätssicherung nachhaltiger Geldanlagen, gilt als einer der strengsten Standards. Es verlangt nicht nur transparente Ausschlusskriterien für Waffen, Kohle und Atomkraft, sondern auch eine umfassende Analyse der gesamten Lieferkette in Bezug auf Menschenrechte und Umwelt. Die Schweizer Ethos Stiftung, bekannt für ihr Engagement als Stimmrechtsberaterin, bietet seit 2024 Fonds an, die das FNG-Siegel mit der höchsten Auszeichnung tragen. Dies signalisiert einen Prozess, der weit über simple Filter hinausgeht und auf eine nachweisbare Wirkung abzielt.
Doch selbst das beste Label ist nur ein passives Instrument. Der wirkungsvollste Hebel, den Sie als Anleger besitzen, ist Ihr Status als Miteigentümer der Unternehmen in Ihrem Portfolio. Dieser Status verleiht Ihnen Rechte – insbesondere das Stimmrecht an der Generalversammlung. Statt sich nur auf die Filter eines Fonds zu verlassen, können Sie direkt Einfluss auf die Strategie der Unternehmen nehmen. Dieses „Aktive Eigentum“ ist der ultimative Anleger-Hebel.
Viele Anleger nehmen dieses Recht nicht wahr, weil es kompliziert erscheint. Doch es gibt klare, etablierte Wege, um Ihre Stimme zu nutzen, selbst als Kleinanleger. Die konsequente Anwendung dieser Instrumente verwandelt Ihr Depot von einer passiven Geldanlage in ein aktives Werkzeug für den Wandel.
Ihr Plan zur aktiven Einflussnahme als Aktionär
- Aktienregister & Generalversammlung: Identifizieren Sie, wo und wie Sie Ihr Stimmrecht ausüben können. Lassen Sie Ihre Aktien ins Aktienregister des Unternehmens eintragen, um Einladungen und Stimmunterlagen direkt zu erhalten.
- Anträge und Dialoge: Sammeln Sie die Kontaktinformationen für die „Investor Relations“-Abteilung. Über diese Kanäle können Sie an ESG-Dialogen teilnehmen oder Anträge zur Traktandierung an der GV einreichen.
- Stimmrechtsvertretung prüfen: Wenn Sie nicht persönlich teilnehmen können, nutzen Sie Stimmrechtsvertreter. Vergleichen Sie die Positionen von unabhängigen Beratern wie Ethos mit Ihren eigenen Werten und erteilen Sie gezielte Weisungen.
- Wirkung analysieren: Bewerten Sie, welche Ihrer Aktionen die grösste potenzielle Wirkung hat. Eine kritische Stimme zu einem fragwürdigen Vergütungsbericht kann mehr bewirken als der Verkauf von ein paar Aktien.
- Umsetzungsplan erstellen: Legen Sie einen jährlichen Plan fest. Markieren Sie sich die Daten der Generalversammlungen der wichtigsten Unternehmen in Ihrem Portfolio und nehmen Sie sich Zeit, die Traktanden zu studieren und Ihre Stimme abzugeben.
Wie holen Sie 2000 CHF Steuern pro Jahr zurück, ohne das Geld zu sperren?
Eine der attraktivsten Möglichkeiten in der Schweiz, um langfristig Vermögen aufzubauen und gleichzeitig Steuern zu sparen, ist die gebundene Vorsorge der Säule 3a. Jedes Jahr können Sie einen maximalen Betrag (aktuell rund 7’056 CHF für Angestellte) einzahlen und diesen vollumfänglich von Ihrem steuerbaren Einkommen abziehen. Je nach Grenzsteuersatz entspricht dies einer direkten Steuerersparnis von bis zu 2’000 CHF pro Jahr. Das Geld ist zwar bis zur Pensionierung „gesperrt“, aber es ist keineswegs unproduktiv.
Anstatt Ihr 3a-Guthaben auf einem niedrig verzinsten Sparkonto liegen zu lassen, können Sie es in Wertschriftenlösungen investieren. Und hier schliesst sich der Kreis zum ethischen Investieren: Nahezu alle Schweizer Anbieter von 3a-Wertschriftenlösungen bieten heute explizit nachhaltige Anlagestrategien an. Sie können also Ihren Steuervorteil nutzen und gleichzeitig sicherstellen, dass Ihr Vorsorgekapital nach ESG-Kriterien angelegt wird. Der Trend ist eindeutig: Die Sustainable Investments Study 2024 zeigt, dass 87% der Nettozuflüsse bei Schweizer Retailbanken in nachhaltige Fonds fliessen. Anleger wollen beides: Vorsorge und Verantwortung.
Bei der Wahl des Anbieters sollten Sie jedoch nicht nur auf die Nachhaltigkeits-Labels schauen, sondern auch auf die Kosten (TER), die Qualität der ESG-Umsetzung und ob der Anbieter die Stimmrechte für Sie aktiv ausübt. Ein Anbieter, der konsequent im Sinne der Nachhaltigkeit abstimmt, bietet einen klaren Mehrwert und verstärkt den Impact Ihres Investments. Digitale Anbieter wie VIAC oder finpension haben den Markt mit sehr kostengünstigen und transparenten Lösungen revolutioniert.
Die folgende Tabelle vergleicht einige populäre Anbieter von nachhaltigen 3a-Lösungen in der Schweiz:
| Anbieter | ESG-Ansatz | Kosten (TER) | Stimmrechtsausübung |
|---|---|---|---|
| VIAC | ESG-Integration & -Fokus | Ab 0.4% | Aktiv |
| finpension | Sustainable-Fonds verfügbar | Ab 0.39% | Über Fondsanbieter |
| frankly (ZKB) | Responsible & Sustainable | Ab 0.48% | Konsequent |
Die Säule 3a ist somit ein kraftvoller Hebel. Sie kombinieren einen garantierten, jährlichen „Gewinn“ in Form der Steuerersparnis mit dem Potenzial für langfristige, nachhaltig erwirtschaftete Renditen. Es ist die wohl intelligenteste Form, um Ihre finanziellen Ziele mit Ihren ethischen Überzeugungen zu verbinden, ohne zusätzliches Kapital blockieren zu müssen.
Beginnen Sie noch heute damit, Ihr Portfolio nicht nur als eine Ansammlung von Werten zu sehen, sondern als ein wirkungsvolles Werkzeug. Analysieren Sie Ihre Anlagen kritisch und nutzen Sie die hier vorgestellten Hebel, um Ihre finanziellen Ziele mit Ihren ethischen Überzeugungen in Einklang zu bringen.