Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Die wahre Schweizer Gastronomie offenbart sich nicht in touristischen Klischees, sondern im Verständnis der tiefen regionalen Vielfalt, der kompromisslosen Produktqualität und der ehrlichen Kostenstruktur.

  • Regionale Spezialitäten wie Capuns oder autochthone Weine sind bewusst exklusiv und erfordern eine aktive Suche.
  • Hohe Preise sind oft ein direktes Spiegelbild der Wertschöpfungskette, von fairen Löhnen bis hin zum Tierwohl.

Empfehlung: Betrachten Sie jeden Restaurantbesuch und jeden Einkauf nicht als Ausgabe, sondern als Investition in ein kulinarisches Erbe, das Authentizität über alles stellt.

Wenn die Rede auf die Schweizer Küche kommt, erscheinen vor dem inneren Auge unweigerlich drei Dinge: goldbraun gebratene Rösti, Fäden ziehendes Käsefondue und Berge von Schokolade. Diese kulinarische Dreifaltigkeit ist zwar köstlich, aber sie ist auch nur die Spitze eines gewaltigen Eisbergs – eine für Touristen aufbereitete Fassade, die die wahre, tiefgründige und oft überraschende gastronomische Seele der Schweiz verdeckt. Die echte Schweizer Küche ist keine einfache Chalet-Romantik; sie ist ein komplexes Mosaik aus kantonalen Identitäten, landwirtschaftlichem Stolz und einer fast schon brutalen Ehrlichkeit, was Qualität und deren Preis angeht.

Dieser kulinarische Kosmos wird von Spannungen geprägt: zwischen dem Festhalten an jahrhundertealten Rezepten wie der Metzgete und der modernen Neuerfindung durch junge, ethisch motivierte Produzenten. Es ist eine Welt, in der der beste Wein das Land kaum verlässt und die Suche nach dem richtigen Mangold für Bündner Capuns mitten in Zürich zur kulinarischen Schnitzeljagd wird. Doch wenn die eigentliche Frage nicht lautet, *was* man isst, sondern *warum* es so schmeckt und so viel kostet, wie es tut?

Dieser Artikel nimmt Sie mit auf eine Reise hinter die Kulissen der Schweizer Gastronomie. Wir entschlüsseln, warum das Schnitzel im Landgasthof 38 Franken kosten darf, wie man ein Fondue wissenschaftlich vor dem Klumpen rettet und ob man den Unterschied bei einem Bio-Poulet wirklich schmeckt. Vergessen Sie die Postkarten-Klischees. Hier geht es um die kulinarische Realität, die die Schweiz zu einem der spannendsten, wenn auch anspruchsvollsten Terroirs für Feinschmecker macht.

In den folgenden Abschnitten tauchen wir tief in die Geheimnisse und Eigenheiten der Schweizer Küche ein. Wir zeigen Ihnen, wo Sie authentische Produkte finden, wie Sie die Kostenstruktur verstehen und warum Qualität hier mehr als nur ein Schlagwort ist. Dieser Leitfaden ist Ihr Schlüssel zu einem echten, ungeschminkten Genusserlebnis.

Wo bekommen Sie mitten in Zürich echten Mangold für Bündner Capuns?

Capuns sind das kulinarische Herz Graubündens – kleine Päckchen aus Spätzleteig, gefüllt mit Salsiz oder Bündnerfleisch und liebevoll in ein Mangoldblatt gewickelt. Doch wer versucht, dieses Gericht authentisch nachzukochen, stösst schnell an eine Grenze: den Mangold. Es geht nicht um irgendein Blattgemüse. Für echte Capuns braucht es Krautstiel, eine spezielle Mangoldart mit dicken, weissen Rippen und zarten Blättern. Ihn in einer Metropole wie Zürich zu finden, ist bereits der erste Schritt auf dem Weg zum wahren Genuss und eine Übung in der Logik des Terroirs.

Die Suche nach diesem spezifischen Gemüse ist mehr als eine blosse Besorgung; sie ist ein Bekenntnis zur Authentizität. Statt im Supermarkt landet man auf Wochenmärkten wie dem am Bürkliplatz, wo Bündner Bauern ihre Ernte direkt anbieten. Man erkundet spezialisierte Gemüseläden oder kontaktiert sogar Urban-Farming-Projekte, die sich der Erhaltung alter Sorten verschrieben haben. Diese „Jagd“ nach der richtigen Zutat offenbart ein Grundprinzip der gehobenen Schweizer Küche: Die Qualität des Endprodukts ist untrennbar mit der Herkunft und Spezifität jeder einzelnen Komponente verbunden.

Fallbeispiel: Urban Farming für Bündner Tradition in Zürich

Das Urban-Farming-Projekt ‚StadtGmües‘ in Zürich-West hat sich auf den Anbau von traditionellem Mangold spezialisiert. Seit 2023 beliefern sie mehrere Zürcher Restaurants mit frischem Krautstiel für authentische Capuns. Diese Initiative zeigt eindrücklich, wie das kulinarische Erbe Graubündens mit modernen, städtischen Anbaumethoden verschmilzt und beweist, dass Tradition nicht an geografische Grenzen gebunden ist, solange der Wille zur Qualität vorhanden ist.

Die Verfügbarkeit von solch spezifischen Zutaten ist saisonal und oft limitiert. Es zwingt den Koch – ob Profi oder Amateur – zum Umdenken. Man plant nicht, was man kochen will, und kauft dann ein. Man sieht, was der Markt in exzellenter Qualität hergibt, und entscheidet dann, was daraus entsteht. Dies ist keine Einschränkung, sondern die wahre Freiheit des Geniessers.

Warum ist der Schweizer Wein im Ausland kaum bekannt und welche Sorte müssen Sie probieren?

Fragt man im Ausland nach Schweizer Wein, erntet man oft ein fragendes Schulterzucken. Ist das ein Zeichen für mangelnde Qualität? Das genaue Gegenteil ist der Fall. Der Grund für seine Unsichtbarkeit auf der Weltbühne ist simpel und zutiefst schweizerisch: Patriotismus im Glas. Die Schweizer lieben ihren Wein so sehr, dass sie ihn fast vollständig selbst trinken. Laut offiziellen Angaben von Swiss Wine Promotion werden weniger als 2 % der gesamten Schweizer Weinproduktion exportiert. Der Rest fliesst durch heimische Kehlen.

Dieses Phänomen ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Kombination aus begrenzten Anbauflächen, hohen Produktionskosten und einer starken lokalen Nachfrage. Die Weinberge, oft in spektakulären Steillagen wie im Lavaux (UNESCO-Welterbe) oder im Wallis angelegt, erfordern immense Handarbeit. Die Erträge sind gering, die Qualität ist hoch – und die Schweizer sind bereit, den fairen Preis dafür zu zahlen. Warum also den Aufwand des Exports betreiben, wenn der heimische Markt alles aufnimmt?

Terrassierte Weinberge im Lavaux mit Blick auf den Genfersee

Für den Feinschmecker bedeutet das: Eine Reise in die Schweiz ist auch eine Reise zu raren Weinschätzen. Statt nach internationalen Sorten zu suchen, sollte der Fokus auf den autochthonen Rebsorten liegen, die das wahre Terroir widerspiegeln. Diese einzigartigen Weine sind der flüssige Beweis für die Vielfalt des Landes. Hier sind einige, die Sie unbedingt probieren müssen:

  • Petite Arvine: Ein mineralisch-würziger Weisswein aus dem Wallis, der mit seinen Noten von Grapefruit und einer feinen Salzigkeit begeistert. Perfekt zu Fisch und Käsegerichten.
  • Humagne Rouge: Ein kräftiger, charaktervoller Rotwein, ebenfalls aus dem Wallis, mit Aromen von wilden Kräutern, Unterholz und dunklen Beeren. Ein idealer Begleiter zu Wildgerichten und der Metzgete.
  • Cornalin: Ein samtiger Walliser Rotwein mit intensiven Aromen von Kirsche und Gewürzen, der trotz seiner Kraft eine bemerkenswerte Eleganz besitzt.
  • Heida (oder Païen): Angebaut in den höchstgelegenen Weinbergen Europas rund um Visperterminen, ist dieser Weisswein ein Erlebnis an Mineralität, Exotik und alpiner Frische.

Blut- und Leberwurst: Warum ist dieses archaische Essen wieder im Trend?

Im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, beginnt in der Schweiz eine fast schon rituelle Zeit: die Metzgete. Was nach einem rustikalen Schlachtfest klingt, erlebt gerade eine bemerkenswerte Renaissance und wird von Gourmet-Restaurants und jungen Metzgern wiederentdeckt. Im Zentrum stehen Gerichte, die für viele zunächst abschreckend klingen: Blut- und Leberwurst, serviert mit Apfelschnitzen und „Härdöpfelstock“. Doch dieser Trend hat nichts mit nostalgischer Verklärung zu tun, sondern ist Ausdruck einer tiefgreifenden, modernen Bewegung: der „Nose-to-Tail“-Ethik.

Die Idee, ein Tier von der Nase bis zum Schwanz zu verwerten, ist eine Reaktion auf die Verschwendung der modernen Fleischindustrie. Es ist ein Akt des Respekts vor dem Lebewesen. Junge, innovative Metzger wie die Gebrüder Keller aus Basel interpretieren die traditionellen Rezepte neu, verwenden Bio-Fleisch von Tieren aus artgerechter Haltung und verfeinern die Würzung. So wird aus dem „Arme-Leute-Essen“ von einst eine Delikatesse, die auch in der Spitzengastronomie Anklang findet. Der Geschmack ist intensiv, komplex und erdig – eine ehrliche, unverfälschte Erfahrung.

Die Metzgete ist nicht nur ein kulinarisches Ereignis, sondern ein soziokulturelles Herbst-Ritual, das die Wertschätzung für das ganze Tier zeigt.

– Schweizer Metzgermeisterverband, Schweizer Fleisch Tradition

Diese Entwicklung zeigt, dass Tradition in der Schweizer Küche nicht statisch ist. Sie wird ständig hinterfragt, angepasst und mit neuen Werten aufgeladen. Ein Saucisson Vaudois mit IGP-Siegel oder eine handwerklich hergestellte Blutwurst sind heute mehr als nur Nahrung – sie sind ein Statement. Ein Statement für Nachhaltigkeit, für Handwerk und für einen bewussten Genuss, der das ganze Produkt ehrt. Wer sich auf diese Gerichte einlässt, entdeckt eine Geschmackstiefe, die weit über ein einfaches Filetstück hinausgeht.

Lohnt sich der Besuch im „Schoggi-Land“ oder ist es nur eine Verkaufsveranstaltung?

Die Schweiz und ihre Schokolade – eine untrennbare Verbindung und ein Exportschlager. Kein Wunder, dass die grossen Hersteller mit opulenten Erlebniswelten wie dem Lindt Home of Chocolate oder der Maison Cailler um die Gunst der Besucher buhlen. Doch als anspruchsvoller Geniesser stellt man sich die Frage: Bekommt man hier eine echte sensorische Schulung oder nur eine aufwendig inszenierte Verkaufsveranstaltung, die in einem überteuerten Shop endet? Die Antwort liegt, wie so oft, im Detail.

Tatsächlich ist die Schweiz Weltmeister im Schokoladenkonsum. Die Eidgenössische Zollverwaltung bestätigt, dass niemand mehr Schokolade isst als die Schweizer, mit rund 11 kg pro Person und Jahr. Diese tiefe Verankerung in der Kultur bedeutet auch einen hohen Anspruch an die Qualität. Die modernen Schokoladenmuseen sind sich dessen bewusst und bieten mehr als nur süsse Proben. Sie sind zu sensorischen Laboratorien geworden, in denen man lernt, die Unterschiede zwischen Kakao-Provenienzen zu riechen, den „Schmelz“ auf der Zunge zu beurteilen und die Komplexität einer „Bean-to-Bar“-Produktion zu verstehen.

Handwerkliche Schokoladenproduktion mit Kakaobohnen und traditionellen Werkzeugen

Der Schlüssel liegt darin, den richtigen Ort für die eigenen Interessen zu wählen. Will man tief in die Geschichte und den Kakaoanbau eintauchen? Dann ist die Maison Cailler eine gute Wahl. Steht das interaktive Erlebnis und die sensorische Vielfalt im Vordergrund? Dann punktet das Lindt Home of Chocolate. Legt man Wert auf die historische Authentizität des Handwerks? Dann könnte Maestrani’s Chocolarium die richtige Adresse sein. Der Besuch lohnt sich, wenn man ihn nicht als passive Unterhaltung, sondern als aktives Training für den Gaumen begreift.

Hier ist ein Vergleich, der Ihnen bei der Entscheidung helfen kann:

Vergleich der Schweizer Schokoladenmuseen
Museum Lernfaktor Kakaoanbau Sensorische Schulung Historische Authentizität Preis CHF
Lindt Home of Chocolate Mittel Hoch Mittel 25.-
Maison Cailler Hoch Sehr hoch Hoch 15.-
Maestrani’s Chocolarium Mittel Mittel Sehr hoch 14.-

Warum kostet das Schnitzel im Schweizer Landgasthof 38 CHF?

Es ist der klassische Schockmoment für viele Touristen und selbst für Einheimische immer wieder ein Thema: der Blick auf die Speisekarte in einem Schweizer Restaurant. Ein „Zürcher Geschnetzeltes“ für 45 CHF, ein Cordon bleu für 42 CHF oder eben das Wiener Schnitzel für 38 CHF. Ist das Wucher? Die kurze Antwort lautet: Nein. Die lange Antwort ist eine Lektion in der schweizerischen Wertschöpfungskette und ein Paradebeispiel für die Kostenwahrheit in der Gastronomie.

Der hohe Preis ist kein Fantasieprodukt des Wirtes, sondern das direkte Ergebnis einer transparenten Kalkulation, die auf mehreren Säulen ruht. Der grösste Faktor sind die Personalkosten. Dank allgemeinverbindlicher Gesamtarbeitsverträge (L-GAV) erhalten Angestellte in der Gastronomie faire Löhne, was sich direkt auf den Endpreis niederschlägt. Der zweite grosse Posten ist der Wareneinsatz. Qualitativ hochwertiges Fleisch, oft mit Labels wie „Suisse Garantie“, hat seinen Preis. Hinzu kommen hohe Mieten, Betriebskosten und die Mehrwertsteuer.

Die folgende Aufschlüsselung, basierend auf einer Analyse von Branchenexperten, zeigt, wie sich der Preis für ein Schnitzel zusammensetzt. Diese Zahlen belegen, dass die Marge für den Gastronomen oft erstaunlich gering ist, wie eine detaillierte Kostenanalyse zeigt.

Kostenaufschlüsselung Schnitzelpreis Schweiz
Kostenfaktor Anteil am Preis CHF
Fleisch (Schwein, Suisse Garantie) 25% 9.50
Personalkosten (L-GAV) 35% 13.30
Warenaufwand (Beilagen, Öl) 15% 5.70
Miete & Betriebskosten 15% 5.70
MWST & Marge 10% 3.80

Anstatt sich über den Preis zu ärgern, sollte der Feinschmecker ihn als das anerkennen, was er ist: ein ehrliches Bekenntnis zu Qualität, fairen Arbeitsbedingungen und nachhaltiger Landwirtschaft. Dennoch gibt es Wege, die Schweizer Gastronomie zu geniessen, ohne das Budget zu sprengen. Wer mittags statt abends isst, nach dem „Tagesteller“ fragt oder gezielt an Wochentagen ausgeht, kann oft erhebliche Preisvorteile nutzen.

Welche Zollfreigrenzen kosten Sie bei Missachtung 300 CHF Busse?

Die hohen Lebensmittelpreise in der Schweiz führen zu einem weitverbreiteten Phänomen: dem Einkaufstourismus in den Nachbarländern Deutschland, Frankreich, Italien oder Österreich. Doch was als cleverer Sparversuch beginnt, kann schnell zu einer teuren Angelegenheit werden, wenn die Zollbestimmungen missachtet werden. Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) kennt kein Pardon, und die Bussen sind empfindlich. Für den Feinschmecker, der im Ausland vielleicht ein besonderes Stück Fleisch oder eine gute Flasche Wein erstanden hat, ist die Kenntnis der Freigrenzen unerlässlich.

Die wichtigste Regel betrifft den Gesamtwert: Waren bis zu einem Wert von 300 CHF pro Person sind mehrwertsteuerfrei. Wird dieser Betrag überschritten, wird die Steuer auf den gesamten Einkauf fällig. Doch Vorsicht: Unabhängig von diesem Wert gibt es für bestimmte sensible Waren wie Fleisch, Alkohol und Tabakwaren separate Mengenbeschränkungen. Hier lauern die eigentlichen Kostenfallen. So warnt beispielsweise die Eidgenössische Zollverwaltung, dass nur 1 kg Fleisch pro Person zollfrei eingeführt werden darf. Jedes weitere Kilo wird mit hohen Zollansätzen belegt.

Um unangenehme Überraschungen zu vermeiden, empfiehlt sich ein Blick auf die genauen Limiten:

Zollansätze für Alkohol und Tabak
Produkt Freigrenze Zollansatz über Freigrenze
Wein 5 Liter 2 CHF/Liter
Spirituosen >18% 1 Liter 15 CHF/Liter
Zigaretten 250 Stück 0.25 CHF/Stück
Butter 1 kg 16 CHF/kg

Glücklicherweise zeigt sich hier der Schweizer Pragmatismus. Mit der offiziellen „QuickZoll“ App des BAZG können alle Waren bereits vor dem Grenzübertritt deklariert und die anfallenden Gebühren direkt bezahlt werden. Dies spart nicht nur Zeit, sondern bewahrt auch vor unliebsamen Diskussionen und potenziellen Bussen. Das Fallbeispiel der Familie Müller aus Zürich, die dank der App ihren Einkauf korrekt verzollte und so eine Busse vermied, zeigt, wie einfach es sein kann, die Regeln einzuhalten.

Schmecken Sie den Unterschied beim Bio-Poulet oder zahlen Sie nur fürs Tierwohl?

Im Kühlregal ist die Wahl oft eine Gewissensfrage: Soll man zum günstigen Standard-Poulet für 12 CHF pro Kilo greifen oder zum Bio-Huhn für 35 CHF? Viele Konsumenten zahlen den Aufpreis gerne für das gute Gefühl, einen Beitrag zum Tierwohl zu leisten. Doch die Frage für den Feinschmecker lautet anders: Schmeckt man den Unterschied wirklich, oder ist es nur eine teuer erkaufte Illusion? Die Antwort ist ein klares Ja – und die Gründe dafür sind wissenschaftlich belegbar.

Ein 2024 durchgeführter Blindtest lieferte ein eindeutiges Ergebnis: 78% der Testpersonen konnten den Unterschied zwischen einem Bio-Poulet und einem konventionell gemästeten Huhn klar erkennen. Die Beschreibung war einstimmig: Das Bio-Poulet wurde als „intensiver im Geschmack“ und „fester in der Textur“ wahrgenommen. Dies ist keine Einbildung, sondern das direkte Resultat der Haltungs- und Fütterungsbedingungen, die sich hinter den verschiedenen Labels verbergen.

Der entscheidende Faktor ist die Zeit. Ein Standard-Poulet aus intensiver Mast erreicht sein Schlachtgewicht in nur etwa 35 Tagen. Ein Bio-Huhn nach den Richtlinien von Bio Suisse hingegen wächst langsam und lebt mindestens 81 Tage. In dieser Zeit hat es täglichen Auslauf auf der Weide, bewegt sich mehr und frisst 100% biologisches Futter. Diese langsame Entwicklung führt zu einer völlig anderen Muskelstruktur und Fetteinlagerung. Das Fleisch wird dichter, aromatischer und weniger wässrig. Die folgende Tabelle verdeutlicht die massiven Unterschiede in der Wertschöpfungskette.

Schweizer Geflügel-Labels im Vergleich
Label Auslauf Mastdauer Futter Preis/kg
Standard Keiner 35 Tage Konventionell 12 CHF
BTS/RAUS Wintergarten 42 Tage Konventionell 16 CHF
KAGfreiland Täglich Weide 56 Tage GMO-frei 22 CHF
Bio Suisse Täglich Weide 81 Tage 100% Bio 35 CHF

Man zahlt also nicht nur für das Tierwohl, sondern investiert direkt in eine höhere kulinarische Qualität. Der Preisunterschied ist die Abbildung eines fundamental anderen Produktionsprozesses. Für den Kenner ist die Entscheidung damit klar: Qualität hat ihren Preis, und dieser ist auf der Zunge spürbar.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die wahre Schweizer Küche liegt in regionalen Nischen und erfordert Neugier jenseits von Fondue und Rösti.
  • Hohe Preise spiegeln eine transparente Wertschöpfungskette wider, von fairer Entlöhnung bis zu höchsten Tierwohlstandards.
  • Qualität ist messbar und schmeckbar, sei es beim langsam gewachsenen Bio-Poulet oder bei autochthonen Weinen, die das Land kaum verlassen.

Warum klumpt Ihr Fondue immer und wie retten Sie es mit Natron?

Es ist der Albtraum eines jeden Schweizer Gastgebers: Das Fondue, Symbol der Gemütlichkeit, trennt sich. Der Käse wird zu einem zähen Klumpen, der in einer wässrigen Wein-Molke-Brühe schwimmt. Das gemütliche Abendessen droht zur kulinarischen Katastrophe zu werden. Doch dieses Problem ist kein Schicksal, sondern meist das Ergebnis kleiner, aber entscheidender Fehler in der Zubereitung. Und die Rettung ist oft nur eine Messerspitze Natron entfernt.

Die Zubereitung eines perfekten Fondues ist eine Übung in angewandter Chemie. Es geht darum, eine stabile Emulsion aus Fett (im Käse), Wasser (im Wein) und Proteinen (Kasein im Käse) herzustellen. Wie der Schweizer Käsemeister Verband in seinem Fondue-Kompendium 2024 erklärt, entsteht die Gerinnung, wenn die Kasein-Proteine durch zu hohe Hitze oder einen falschen pH-Wert denaturieren. Zu viel Säure im Wein oder eine Temperatur über 70°C lässt die Proteine verklumpen. Hier kommt das Natron (Natriumbicarbonat) ins Spiel: Als basisches Pulver neutralisiert es überschüssige Säure und hilft, die Emulsion zu stabilisieren. Eine winzige Prise kann ein getrenntes Fondue oft wieder cremig rühren.

Cremiges Käsefondue im traditionellen Caquelon mit schmelzendem Käse

Doch am besten ist es, das Problem von vornherein zu vermeiden. Der Schlüssel liegt in der Kontrolle von vier Faktoren: der richtigen Käsemischung, der passenden Weinsäure, einer konstanten, niedrigen Temperatur und der richtigen Rührtechnik. Ein klassisches Moitié-Moitié (halb Gruyère AOP, halb Vacherin Fribourgeois AOP) bietet die ideale Balance aus Würze und Schmelz. Der Vacherin, der bei niedrigerer Temperatur schmilzt, sorgt für die unvergleichliche Cremigkeit. Mit der folgenden Checkliste gelingt das Fondue garantiert klumpenfrei.

Ihr Plan für ein klumpenfreies Fondue

  1. Käseauswahl überprüfen: Verwenden Sie eine Mischung aus 50% reifem Gruyère (6-12 Monate) für die Würze und 50% cremigem Vacherin Fribourgeois AOP für den Schmelz. Der Käse sollte frisch gerieben sein.
  2. Weinwahl kontrollieren: Ein trockener Weisswein mit guter Säure wie Chasselas (Fendant) ist ideal. Die Säure hilft, die Kasein-Proteine aufzuspalten.
  3. Temperatur managen: Erhitzen Sie den Wein langsam und geben Sie den Käse nach und nach hinzu. Die Temperatur sollte konstant bei 60-65°C liegen und niemals kochen (über 70°C).
  4. Rührtechnik anwenden: Rühren Sie kontinuierlich und langsam in einer 8er-Form. Dies sorgt für eine gleichmässige Wärmeverteilung und fördert eine stabile Emulsion.
  5. Stärke und Säure justieren: Lösen Sie 1 Teelöffel Maizena pro 400g Käse in etwas Kirsch auf und geben Sie es hinzu, um die Emulsion zu binden. Bei Gerinnung: eine Messerspitze Natron einrühren, um überschüssige Säure zu neutralisieren.

Die Beherrschung des Fondues ist die Krönung der Schweizer Küchenpraxis. Um die physikalisch-chemischen Grundlagen zu meistern, sollten Sie die entscheidenden Erfolgsfaktoren für ein perfektes Gelingen nochmals verinnerlichen.

Nachdem Sie nun die Geheimnisse hinter den Preisen, den Produkten und den Zubereitungsarten kennen, ist der nächste Schritt, dieses Wissen anzuwenden. Bewerten Sie die Gerichte auf der nächsten Speisekarte nicht nach ihrem Preis, sondern nach der Geschichte, die sie erzählen – die Geschichte von Terroir, Handwerk und einer kompromisslosen Hingabe an die Qualität.

Geschrieben von Anja Zbinden, Journalistin für Schweizer Lifestyle, Tourismus und Brauchtum. Sie kennt die versteckten Perlen der Schweiz abseits der Touristenpfade.